China Import Vorbereitung
Die perfekte Import-Vorbereitung: Was Online-Shops vor ihrem ersten Import unbedingt wissen müssen
Der erste eigene Import aus China oder einem Nicht-EU-Land ist für viele E-Commerce-Unternehmen ein großer Schritt – und gleichzeitig eine Hürde, die häufig unterschätzt wird. Falsche Dokumente, fehlende Registrierungen oder eine falsche Zolltarifnummer können schnell zu Verzögerungen, Zusatzkosten oder sogar Abmahnungen führen.
In diesem Leitfaden erfährst du, wie du dich formal, rechtlich und praktisch optimal auf deinen ersten Import vorbereitest – Schritt für Schritt, basierend auf echten Projekten und jahrelanger Erfahrung im E-Commerce.
1. Formelle Voraussetzung Nr. 1: EORI-Nummer beantragen
Ohne eine EORI-Nummer darfst du in der EU keine Waren importieren. Die Beantragung ist kostenlos und erfolgt über zoll.de.
Wichtig zu wissen:
- Antrag per E-Mail geht meist am schnellsten.
- Du benötigst eine gültige Umsatzsteuer-ID.
- Die Daten müssen 100 % korrekt sein, da der Zoll diese prüft.
Sobald die EORI-Nummer vergeben ist, bist du offiziell berechtigt, Waren in die EU einzuführen.
2. Registrierung im Verpackungsregister LUCID
Auch wenn du noch nie importiert hast, musst du im Verpackungsregister LUCID registriert sein.
Als Importeur wirst du automatisch wie ein Hersteller behandelt, da du als Inverkehrbringer giltst.
Was bedeutet das für dich?
- Registrierung ist gesetzlich verpflichtend.
- Abmahnungen drohen bei fehlender Registrierung.
- Jährliche Meldung deiner Verpackungsmengen.
- Bei jedem Import musst du intern dokumentieren:
- Außenverpackung
- Produktverpackung
- Papier/Pappe/Kunststoff-Mengen
Das Ganze dauert nur 15–20 Minuten – sollte aber unbedingt vor dem ersten Import erledigt sein.
3. EAR-Registrierung für Elektrogeräte
Wenn du Elektronik oder batteriebetriebene Produkte importierst, benötigst du eine WEEE-Nummer (Stiftung EAR).
Fakten:
- Beantragung dauert ca. 30–60 Minuten.
- Die Registrierung kann durch einen Bevollmächtigten erfolgen.
- Zuteilung der WEEE-Nummer dauert im Schnitt 2–3 Monate.
- Ohne WEEE-Nummer: kein legaler Import von Elektrogeräten.
Die Nummer muss später auf der Verpackung oder in der Bedienungsanleitung stehen.
4. Zolltarifnummer (HS-Code/TARIC) korrekt bestimmen
Für den Zoll ist die richtige Zolltarifnummer entscheidend, um:
- die korrekten Zollsätze zu berechnen,
- Compliance-Anforderungen zu bestimmen,
- Verzögerungen zu vermeiden.
Es gibt inzwischen KI-basierte Tools, die anhand deiner Produktseite die passende TARIC-Nummer vorschlagen. Trotzdem solltest du die Nummer immer manuell überprüfen – oder von einem Experten bestätigen lassen.
Warum ist das so wichtig?
Eine falsche Zolltarifnummer kann:
- höhere Zölle,
- Retoursendungen
- oder Zollkontrollen
auslösen.
5. Die Konformitätserklärung (DOC) für dein Produkt
Egal ob Elektronik, Textilien oder Haushaltswaren: Für jedes Produkt muss eine Konformitätserklärung (Declaration of Conformity, DOC) vorliegen.
Sie bestätigt, dass dein Produkt alle relevanten EU-Richtlinien einhält.
Dazu gehören zum Beispiel:
- REACH
- POP-Verordnung
- RoHS (bei Elektronik)
- Produktsicherheitsrichtlinien
- Materialkennzeichnungen (z. B. bei Schuhen oder Textilien)
Wichtig: Eine DOC gilt nur, wenn auch die Zertifikate eines akkreditierten Labors vorhanden sind. Testberichte von nicht akkreditierten Laboren erkennt der Zoll nicht an.
6. Fehlende Dokumente beim Hersteller anfordern
In vielen Fällen fehlen Herstellern wichtige Unterlagen, zum Beispiel:
- Materialzertifikate
- Sicherheitstests
- CE-Bericht
- Konformitätsunterlagen
- Laborakkreditierungen
Diese kannst du anfordern – entweder direkt oder über einen Servicepartner. Viele Hersteller verlangen dafür einen kleinen Aufpreis.
Tipp: Immer prüfen, ob der Hersteller akkreditierte Labore nutzt. Sonst kann die Ware beim Zoll hängen bleiben.
7. Den richtigen Carrier wählen (Luftfracht, Bahn, See)
Bei der Wahl des Transportwegs geht es um:
- Geschwindigkeit
- Risiko
- Kosten
Luftfracht
- schnell (ca. 7–12 Tage)
- teuer
- hohe Zusatzkosten bei Zollproblemen
Bahnfracht
- mittlere Geschwindigkeit (ca. 25–40 Tage)
- Verzögerungen möglich (Umschlag, Routen, politische Lage)
- kostengünstiger als Luftfracht
Seefracht
- günstigste Variante
- langsam (ca. 30–60 Tage)
Viele Händler kalkulieren falsch. Plane immer:
▶ 20–30 % Puffer
für mögliche Zusatzkosten wie:
- Lagergebühren
- Zollkontrollen
- Auslageprovisionen
- verlängerte Transportzeiten
8. Einfuhrumsatzsteuer, Zölle & verdeckte Kosten verstehen
Beim Import fallen folgende Kosten an:
- Zoll (abhängig von der Zolltarifnummer)
- Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) – in Deutschland meist 19 %, später erstattbar
- Auslageprovision des Carriers – oft ca. 2,5 % der gezahlten Einfuhrsteuer
- Lagergebühren, wenn der Zoll deine Palette prüft
- Handling- und Servicegebühren
Beispiel:
- Warenwert: 10.000 €
- EUSt (19 %): 1.900 €
- Auslageprovision (2,5 % auf 1.900 €): ca. 50 €
- Zölle: abhängig vom Produkt (zusätzlich)
9. Warum du lieber mit einem deutschen Spediteur arbeiten solltest
Bei internationalen Plattformen sitzt der Gerichtsstand häufig im Ausland – das kann im Ernstfall teuer und kompliziert werden.
Vorteile deutscher Anbieter:
- deutscher Kundensupport
- rechtlich einfacher greifbar
- weniger Sprachbarrieren
- oft transparentere Kostenstruktur
Gerade bei größeren Summen und wiederkehrenden Importen lohnt es sich, hier auf verlässliche Partner zu setzen.
10. Die große Frage: Bist du bereit für den ersten Import?
Wenn du alle Punkte erledigt hast, solltest du am Ende folgende Checkliste vollständig abhaken können:
- EORI-Nummer vorhanden
- Umsatzsteuer-ID vorhanden
- LUCID vollständig registriert
- EAR/WEEE-Nummer (falls Elektronik) beantragt und erhalten
- Zolltarifnummer eindeutig bestimmt und geprüft
- Konformitätserklärung (DOC) + Zertifikate vollständig
- Verpackungsmengen dokumentierbar
- Import-Partner / Carrier geprüft und gewählt
- Gesamtkosten inkl. Puffer sauber kalkuliert
Erst wenn alle Häkchen gesetzt sind, solltest du den ersten Import wirklich starten.
Fazit: Import lohnt sich – aber nur mit Vorbereitung
Ein Import ist kein spontaner Prozess, sondern ein Projekt mit vielen rechtlichen, logistischen und finanziellen Variablen. Wer die Vorbereitung unterschätzt, zahlt am Ende mit verlorener Zeit, unnötigen Kosten oder im schlimmsten Fall mit beschlagnahmter Ware.
Wer jedoch frühzeitig alle Schritte durchgeht und verstanden hat, worauf es ankommt, kann langfristig enorme Vorteile erzielen – bessere Margen, mehr Kontrolle und stärkeres Branding.
Nutze diesen Leitfaden als Grundlage, prüfe jeden Punkt sorgfältig und baue dir eine klare Import-Strategie auf, bevor die erste Palette losgeschickt wird.
Häufige Fragen zur perfekten Import-Vorbereitung
Warum ist eine Import-Vorbereitung wichtig?
Die Import-Vorbereitung hilft dabei, Formalitäten, Dokumente und Logistik im Vorfeld zu klären, um Verzögerungen, Zusatzkosten oder Probleme beim Zoll zu vermeiden.
Was ist eine EORI-Nummer und warum benötige ich sie?
Eine EORI-Nummer ist eine Identifikationsnummer für Wirtschaftsbeteiligte, die für jede Zollabwicklung innerhalb der EU erforderlich ist. Ohne EORI-Nummer darf keine Waren eingeführt werden.
Welche rechtlichen Registrierungen sind vor dem Import wichtig?
Vor dem Import müssen Online-Shops u. a. im Verpackungsregister LUCID registriert sein und ggf. bei Elektroprodukten eine WEEE- bzw. EAR-Registrierung vorweisen.
Warum muss ich die Zolltarifnummer korrekt bestimmen?
Die korrekte Zolltarifnummer ist entscheidend, damit der Zoll die richtigen Zollsätze, Abgaben und Vorschriften für dein Produkt berechnen und anwenden kann.
Was ist eine Konformitätserklärung (DOC)?
Die DOC bestätigt, dass dein Produkt alle relevanten Sicherheits- und Rechtsanforderungen einhält. Sie ist für fast alle Produktkategorien erforderlich, damit der Zoll die Ware freigibt.
Welche Unterlagen sollte ich vom Hersteller vor dem Versand anfordern?
Du solltest Materialzertifikate, Sicherheitstests, CE-Berichte, Laborakkreditierungen und ggf. Konformitätsunterlagen einfordern, damit sie bei der Zollabwicklung verwendet werden können.
Wie wähle ich den richtigen Transport-Carrier?
Die Wahl des Carriers hängt von Kosten, Geschwindigkeit und Risiko ab. Luftfracht ist schnell, aber teuer; Seefracht ist günstig, aber langsam; Bahnfracht ist ein Mittelweg zwischen beiden.
Welche Kosten fallen beim Import an?
Beim Import fallen in der Regel Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer, Handling- und Servicegebühren sowie Lagergebühren und eventuelle Auslageprovisionen an.
Warum lohnt es sich, mit einem deutschen Spediteur zu arbeiten?
Ein deutscher Spediteur bietet Vorteile wie klarere rechtliche Zuständigkeiten, besseren Kundensupport und transparente Kostenstrukturen, besonders bei komplexeren Importen.
Wie sieht eine gute Checkliste für die Import-Vorbereitung aus?
Eine vollständige Checkliste umfasst u. a. EORI-Nummer, Registrierungen, korrekte Zolltarifnummer, Konformitätsunterlagen, Dokumente vom Hersteller, gewählten Transport-Carrier und komplette Kostenkalkulation.